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erstellt von: krawatten, am 10.03.2011 13:42 , Clicks: 915

Im Reich der schwarzen Perle

Zuchtperlen aus Tahiti

 

Der Gott Oro war wahrhaftig kein Weichling. Als Gott des Krieges war er sonst nicht gerade zimperlich, und die Bevölkerung Tahitis pflegte ihn gelegentlich auch mit Menschenopfern zu besänftigen. Aber glücklich machte ihn all das nicht.

 

Denn der einsame Gott war schon viel zu lange auf der Suche nach einer Ehefrau. Er durchzog vergeblich die Südsee, bis er schließlich, schon halb resigniert, seine Schwestern Teouri und Oaaoa um Hilfe bat. In Vaitape auf Bora Bora wurden sie fündig.

Doch wie gewinnt nun ein eher ungehobelter Gott das Herz einer Dorfschönheit? Mit einem Geschenk natürlich. Und so schenkte Oro den Menschen die Perlmuschel.

 

Was früher auf Tahiti gefunden wurde, war die begehrte schwarze Naturperle. Diese Perle ist extrem wertvoll und äußerst selten zu finden. Gute Exemplare sind heute kaum bezahlbar. Sie ist schwarz bis dunkelgrau, glänzt leicht metallisch und wird meist nicht besonders groß

 

Ungeachtet dieses Wertes gingen die Polynesier mit den edlen Preziosen manchmal nicht zimperlich um. Nicht nur für Perlenketten und Ohrschmuck wurden die schwarzen Perlen verarbeitet, selbst zum Beschweren von Fischernetzen benutzte man sie.

 

Bald gelangte die Kunde von der wertvollen Perle, die so anders aussah, als alles, was man hierzulande kannte, auch nach Europa. Ende des 19. Jahrhunderts begann ein regelrechter Perlen-Boom, der einen regen Handelsverkehr zur Folge hatte.. Schließlich kam die Entdeckung des neuen Fundgebiets gerade rechtzeitig. In den klassischen arabischen Perlengebieten waren die Bestände an Perlmuscheln durch Überfischung erschöpft, die asiatischen Räume waren noch nicht bekannt.

 

Auch wenn manche Nachschlagewerke den Beginn der Perlenzucht von schwarzen Perlen auf Tahiti schon an den Anfang des 20. Jahrhunderts verorten, kann von einer ernsthaften Zucht eigentlich erst ab den 60'er Jahren gesprochen werden. Denn die Versuche des französischen Wissenschaftlers Bouchon-Brandely zur Perlenzucht waren alles andere als erfolgreich. Zu Beginn der 70'er Jahre waren schwarze Zuchtperlen noch ein exotischer Geheimtipp unter Juwelieren. Erst spät begann man, das begehrte Produkt der schwarzlippigen Perlauster im großen Maßstab zu züchten. Nach zwei bis drei Jahren Wachstumszeit können die Perlen „geerntet“ werden.

 

Da Tahiti eine strukturschwache Region war, vergab die Regierung in den 90'er Jahren großzügig Lizenzen zum Aufbau von Perlenfarmen, um der Bevölkerung zu einer stabilen Einkommensquelle zu verhelfen. Wie so oft, wenn etwas all zu gut gemeint ist, ging die Gleichung nicht auf. Nicht nur, dass der Anwuchs der Perlenzucht zu einem Überangebot und somit zu fallenden Preisen führte, es gelangten auch ungeheuer schlechte Qualitäten auf den Markt, was den ohnehin noch nicht besonders guten Ruf der schwarzen Zuchtperle nicht besser werden ließ.

 

Es wurden Stimmen nach einer besseren Qualitätskontrolle laut, die in Form einer Überwachungsagentur auch eingeführt wurde. Perlenexporteure mussten sich nun zertifizieren lassen und strengen Qualitätsstandards genügen. Zudem versucht man mit einem ungeheuren PR-Aufwand, die schwarze Zuchtperle als Markenzeichen zu etablieren.

 

Nun, der Plan wäre vermutlich niemals aufgegangen, wenn nicht in diesem Moment auch die internationalen Modeschöpfer den Wert der schwarzen Perle erkannt hätten. Hochwertige Tahiti-Zuchtperlen waren auf einmal extrem gefragt, was wiederum zu einem Ansteigen der Qualität führte. Was heutzutage auf den Markt gelangt, sind zumeist Spitzenqualitäten zu entsprechenden Preisen. Seither hat die Qualität sich ständig verbessert, auch aufgrund von Exportverboten für minderwertige Tahitiperlen.

Im Juni 2000 sorgte noch einmal eine symbolische Aktion für Aufsehen. 35 000 Perlen von minderer Qualität wurden in einer großen Zeremonie „dem Meer zurückgegeben.“

Wer den metallischen Glanz der Tahitiperle zu schätzen weiß, muss allerdings heute nicht mehr immer zur unerschwinglichen schwarzen Naturperle oder der immer noch sehr teuren Tahitizuchtperle greifen. Es sind inzwischen gefärbte Qualitäten weißer Zuchtperlen vor allem aus China auf dem Markt, die sich auf den ersten Blick kaum von Tahitizuchtperlen unterscheiden lassen.


Die Anfänge der Perlenzucht
Perlen im 20. Jahrhundert
Von wertvollen Perlenketten und perlenden Gleichnissen
Perlen-Prunk im Mittelalter
Was schadet Perlen?



     

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