Das Mahl der Kleopatra
Dekadenz und Perlen in der AntikeNach dem kostbarsten Schmuckstück befragt, hätte über Jahrhunderte stets klar die Antwort gelautet: Perlen, natürlich. Das Produkt der Perlmuschel, oftmals nur durch Zufall entdeckt, war ein purer Luxus und den Reichen und Mächtigen vorbehalten. Ein Sklave, der eine besonders schöne Perle entdeckte, hatte sich damit seine Freiheit verdient.
Schon in frühen Kulturen wusste man die Perle zu schätzen. In Indien und Ceylon wurde im großen Stil nach Perlen getaucht. Bereits in der alten vedischen Literatur werden Perlen immer wieder als besondere Geschenke oder Brautschmuck erwähnt und mit dem Gott Krishna in Verbindung gebracht. Nicht umsonst ist das alte Sanskrit-Wort für Perle „krisana“, was vermutlich als Hommage an den lebensfrohen Gott zu verstehen ist. Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts gehörten Perlenketten zu den Amtsinsignien so manchen Großmoguls.
Nachdem die Inder die Perle schon lange als göttliche Gabe und süßen Rückstand des Morgentaus in einer Perlmuschel schätzten, gelangten seit den Feldzügen Alexanders des Großen die hochgeschätzten Prunkstücke aus dem Orient auch nach Griechenland, und darüber letztlich später auch in die römische Welt.Dort waren Perlenketten ein beliebtes Statussymbol. Die Damen der Gesellschaft schmückten sich in so großer Zahl mit Perlen, dass es die Kritiker und Spötter auf den Plan rief. Gerade die Ohrringe aus mehreren Perlen, die unter begüterten Römerinnen so beliebt waren, wurden von zum Beispiel von Seneca als Verrücktheit bezeichnet. Er empfand es als obszön, den Wert einer mittelgroßen Erbschaft in jedem Ohr zu tragen. Doch auch in Kopfkissen, Tischdecken, ja selbst in den Sohlen von Sandalen wurden Perlen verarbeitet – jedenfalls für die, die sie sich leisten konnten.
Auf die Spitze getrieben wurde dieser Kult in der römischen Kaiserzeit. So trug Lollina Paulina, Gattin des für exzentrische Eskapaden und seinen Sadismus berüchtigten Herrschers Caligula, selbst bei kleinsten Alltagsanlässen den aufwändigsten Perlenschmuck. Doch damit nicht genug: nicht nur, dass sie sich in Perlen hüllte, deren Wert fast dem römischen Staatshaushalt entsprach, die statusbewusste Kaiserin trug sogar die Juwelierrechnungen bei sich, um den Wert ihrer Schmuckstücke jederzeit belegen zu können.Ihr Gatte brüskierte nur wenig später Senat und Volk von Rom: Nicht nur, dass er sein Lieblingspferd Incitatus kurzerhand zum Konsul ernannte – immerhin das höchste Amt im Staate - , nein, er legte dem edlen Huftier anlässlich seiner Ernennung auch noch eine luxuriöse Perlenkette um. Kein Wunder, dass spätere Historiker ihn für wahnsinnig hielten.
Am poetischsten aber ist wohl die Geschichte, die Plinius der Ältere von der ägyptischen Königin Kleopatra zu berichten weiß und die die Vorlage für zahlreiche Verfilmungen und Theaterstücke lieferte. In den letzten Tagen Ägyptens, als die schöne Königin ihre Verführungskünste auf den ehrgeizigen Feldherrn Markus Antonius richtete, liebte sie es, ihn mit teuren, exotischen Festmählern zu beglücken. Nun begab es sich, dass das legendäre Liebespaar eine Wette abschloss, wer das teuerste Mahl ausrichten könne. Kleopatra meinte, sie wolle eine Mahlzeit im Werte von zehn Millionen Sesterzen auftragen lassen. Der jederzeit abenteuerlustige Antonius ging mit Freuden darauf ein. Nach einem zwar edlen, für königliche Verhältnisse aber nicht übermäßig besonderem Mahl setzte ihm die Königin schließlich eine Schale scharfen Essig vor.
Verwundert wollte der stolze Römer sich schon erkundigen, was denn dieser Unfug solle, als Kleopatra ihren prachtvollen Ohrschmuck abnahm – eine legendäre tropfenförmige Perle, den Stolz der antiken Welt – und das edle Stück graziös im Essig auflöste. Mit dieser millionenschweren Mischung prostete Sie dem verwirrten Feldherrn zu und reichte ihm das zweite Teil des Ohrgehänges, damit er es ihr gleichtue. Das ging dem guten Antonius dann doch zu weit.
Er gab großmütig seine Niederlage zu. Der verbliebene Ohrring wurde nach dem Sieg des später als Augustus verherrlichten Oktavian über Ägypten nach Rom gebracht und formte, in zwei Teile zerteilt, die Ohrringe der Statue der Venus im Pantheon.
Perlenträume aus 1001 Nacht
Perlen der Weltgeschichte, Teil I.
Von wertvollen Perlenketten und perlenden Gleichnissen
Die Tränen des Himmels
| vorheriger Blogartikel | nächster Blogartikel |
| « Perlen ? ganz technisch | Die Anfänge der Perlenzucht » |
Passende Produkte aus unserem Shop









