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erstellt von: krawatten, am 19.12.2010 20:57 , Clicks: 840

Perlen aus Amerika

Geschichte der amerikanischen Süßwasserperle

Ein beliebtes Festessen der Indianer am Tenessee River schon 4000 Jahr vor Christus waren Muscheln. Das Muschelfleisch war eine schmackhafte Delikatesse, die Schalen konnte man zu Werkzeugen verarbeiten. Auch dem Ton für die Keramikgefäße jener Zeit fügte man zerstoßene Muschelschalen bei. Und manchmal, aber auch nur manchmal, fand sich in einer der Muscheln eine Perle. Vom Himmel verfestigte Tautropfen müssten das sein, meinten die Ureinwohner und schmückten sich damit stolz.

Auch einige tausend Jahre später in Ohio waren Perlenketten ein beliebter Schmuck der amerikanischen Ureinwohner. Es handelte sich um natürliche Süßwasserperlen mit einer meist charakteristischen Rosatönung. Die Perlen wurden über große Entfernungen gehandelt und erfreuten sich auch als Grabbeigabe großer Beliebtheit.

Als hingegen die europäischen Eroberer eintrafen, kam dieses Interesse ein wenig zum Erliegen. Zwar interessierten sich anfangs die Spanier in Florida und Georgia noch für den üppigen Perlenschmuck, mit denen die Eingeborenen ihnen entgegenkamen. Nach ein paar Such- und Plünderungsaktionen jedoch erlahmte die Aktivität. Wahrscheinlich auch, weil die Perlen nicht ganz den Vorstellungen der Europäer entsprachen.

Der große Boom setzte erst sehr viel später ein. 1857 bereitete sich der Schuhmacher David Howell sich ein paar Flussmuscheln zum Frühstück zu. Prompt hatte er Pech: in der ersten Muschel befand sich eine runde Perle mit einem Durchmesser von 25 mm. Pech insofern, dass sie leider durch Hitze völlig verdorben war. Hätte er das geahnt, hätte er die Muschel sicherlich nicht gebraten! Nun, er hatte Glück im Unglück und fand in der nächsten Muschel gleich mehrere große Perlen. Dadurch ermutigt rief er einen Freund zu Hilfe, und die beiden fanden eine 15mm-Perle, die sie für 1500 Dollar an den Juwelier Tiffany verkauften ? eine Menge Geld in einer Zeit, in der der Monatslohn eines Arbeiters bei etwa 20 Dollar lag. Es entbrannte ein regelrechter Run auf die Flussperlen, und eine Vielzahl von Glücksrittern versuchte, ein Vermögen zu machen. Das war nicht besonders schwer, denn in den amerikanischen Flüssen und Seen gab es einige Perlen zu entdecken.

Die Perlen wurden zum gesuchten Luxusgut, das in großen Mengen in die Alte Welt verschifft wurde. Gerade die arme Landbevölkerung ?erntete? Muschelbänke in Flüssen mit Rechen und Stangen ab, in der trügerischen Hoffnung, dass sie in einer der Muscheln vielleicht die Perle finden mögen, die ihnen und ihren Kindern ein besseres Leben ermöglicht.Jahrzehnte später wurden die ?Wisconsin-Perlen? sehr gefragt. Sie fielen in erster Linie durch ihre asymmetrischen Formen und ungewöhnlichen Farbtöne auf. Gerade bei Juwelieren, die exklusiven Perlenschmuck fertigten, waren barocke Perlen in intensiven Rosa- Purpur- oder Türkistönen sehr beliebt. Denn daraus lassen sich sehr individuelle Perlenketten fertigen. Ihre verspielten und oft unregelmäßig gefärbten Töne passten perfekt in das ästhetische Ideal des Jugendstils, und eine aus solchen Perlen hergestellte Perlenkette blieb garantiert ein Einzelstück.
In Wisconsin etablierte sich eine regelrechte Perlenindustrie. Dutzende von Perlenaufkäufern siedelten sich an. Gute Stücke gingen an Edeljuweliere, kleinere, weniger gute Saatperlen wurden für Medizinprodukte verarbeitet oder ? man höre und staune ? als Stickereiperlen in so klassische Perlenländer wie Indien exportiert. Der Nachteil dieser Perlenschwemme, zu deren Blütezeit selbst Hundehalsbänder mit Flussperlen besetzt wurden, war, dass die Nachfrage wieder abnahm. Dafür wurde das Perlmutt zum wichtigen Wirtschaftsgut. Amerikanisches Perlmutt wurde in erster Linie zu Hemdknöpfen verarbeitet, aber auch in Schmuckstücken und Luxusartikeln verwendet, wie zum Beispiel Kaviarmessern mit Perlmuttklinge (traditionell ist die Klinge aus Perlmutt, weil Silber anlaufen würde). Perlen wurden zum Nebenprodukt der Perlmuttindustrie.

Auf dem heutigen Weltmarkt spielen die amerikanischen Perlen kaum noch eine Rolle. Das Perlmutt wird allerdings bevorzugt für die Herstellung von Kernen in der japanischen und australischen Perlenzucht benutzt.


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