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erstellt von: krawatten, am 19.12.2010 15:04 , Clicks: 1089

Von Drachenperlen und Perlengräbern

Eine faszinierende Hochkultur war das alte China. Und auch wenn Jahrzehnte kommunistischer Planwirtschaft viele Spuren der alten Mythologie ausgelöscht haben, so regt doch kaum etwas unsere Fantasie so an, wie Sagen und Legenden aus alter Zeit. Da wimmelte es von Naturgeistern, legendären Kaisern auf dem ?Drachenthron? und Dynastiegründern. Und von Drachen, immer wieder Drachen. Was das mit dem Thema Perlen zu tun hat? Nun, eine ganze Menge.

Perlen waren im alten China hochgeschätzt.Schon im dritten Jahrtausend vor Christus soll ein Gesandter dem Imperator Yu Perlenketten zum Geschenk gemacht haben. So berichtet es jedenfalls das Geschichtsbuch Shui-Ging. Es ist allerdings deutlich jünger und stammt erst aus Konfuzianischer Zeit (ca. 600 v. Chr.). Seitdem tauchten sie immer wieder als Schmuckstücke auf. Die ?Königin der Edelsteine?, die Perle, wurde zunächst vor allem zum Schmuck religiöser Statuen eingesetzt, später auch als Grabbeigabe. Und natürlich zierten sich auch die als göttlich geltenden Kaiser damit.

Der Perlenreichtum des kaiserlichen Hofes grenzte an Verschwendung. Höflinge schmückten sich nicht nur mit Perlenketten und perlenbesetztem Ohrschmuck, sondern nähten sich auch Perlen als Rangabzeichen an ihre Gewänder. Diese wurden dazu wie ein Knopf an zwei Stellen durchbohrt und dann aufgenäht. Diese ?Mandarin-Perlen? sind, oft zu neuen Schmuckstücken verarbeitet, immer noch ein beliebtes Handelsgut unter Naturperlenliebhabern.

Der Herrscher selbst schmückte sich mit einer Krone, die mit drei goldenen Drachen geschmückt war. Diese trugen Perlen als Schmuck. Dieser Dekoration kam eine besondere Bedeutung zu, war doch die Verbindung zwischen Drachen und Perlen eine mythologische. Drachen galten als die mächtigsten Geschöpfe im Universum. Sie waren fast unsterblich, konnten zaubern und sich auf Wunsch in Menschen oder Tiere verwandeln. Von den männlichen Exemplaren dieser Spezies wurde gesagt, sie hätten unterhalb des Halses eine Perle. Diese wird leuchtend und oft von Flammen umkränzt dargestellt. Sie ist ein Sitz der Weisheit und der Macht. Die Taoisten nennen sie auch Perle der Unsterblichkeit.

Die letzte Kaiserin des chinesischen Reiches, Cixi, soll bei ihrem Tod 1908 eines ihrer Lieblingsschmuckstücke in der Hand gehalten haben: eine große zartrosafarbene Perlenkette. Man bestattete sie mit der Kette, die damals schon ein Vermögen wert gewesen sein muss.

Vielleicht kam daher der Brauch, verstorbenen Herrschern eine schwarze Perle auf die Zunge zu legen. Denn der Verzehr einer Drachenperle sollte nicht nur die Macht verleihen, sich selbst in einen Drachen zu verwandeln, manche Legenden hielten gar für möglich, dass sie ihrem Besitzer ewiges Leben verleihen könnte.

Der Bedarf an Perlen führte dazu, dass insbesondere in der Provinz Guangxi, dem Fundort der berühmten Hepu-Perlen, die Perlenfischerei auf ein fast unvorstellbares Maß gesteigert wurde. In der Ming-Dynastie soll Kaiserin Tzu Hsi 100 000 Perlenfischer beschäftigt haben. Einmal ertranken 10 000 davon bei einer einzelnen Suchaktion. Im 16. Jahrhundert war das. Spätere Perlenfischer versuchten,d ie Ausbeute durch Verwendung von Schleppnetzen zu erhöhen ? und zerstörten damit die Austernbänke, die sie eigentlich abernten wollten.

Auch in der traditionellen chinesischen Medizin fanden Perlen Verwendung. Noch heute spielen sie dort eine Rolle, auch wenn es inzwischen nicht mehr nötig ist, ganze Perlen zu schlucken, um in den Genuss der wohltuenden Wirkungen zu kommen. Moderne Betriebe verarbeiten im großen Stil Perlen, die den Ansprüchen zur Schmuckherstellung nicht genügen, zu Kapseln und Tropfen. Selbst Hautcremes und Duschbäder werden mit Perlen-Extrakten verfeinert. Davon erhoffen sich viele den in Asien derzeit ausgesprochen modischen bleich-seidigen Hautton.

Die Beliebtheit der Perlen führte sogar zu ersten Experimenten, Süßwasserperlen zu züchten: Bereits im 11. Jahrhundert legten buddhistische Mönche in Teilen Chinas kleine Buddha-Statuen in Perlaustern ein, um sie im Idealfall einige Jahre später mit Perlmutt überzogen hervorzuholen. Das Verfahren ähnelt jenen, nach denen heute ? wenn auch mit wesentlich kürzeren Einlagezeiten ? Mabe-Perlen produziert werden.

Heute ist China vor allem das Zentrum der Zucht von Süßwasser-Zuchtperlen. Diese werden zumeist ? anders als etwa japanische Akoya-Perlen oder Südsee-Perlen ? kernlos gezüchtet, indem ein Stück Mantelgewebe einer Perlauster eingepflanzt wird. Inzwischen ist nicht nur die Größenordnung, sondern auch die Qualität der chinesischen Perlenzucht bemerkenswert. Ein Großteil der heute am Markt erhältlichen Süßwasserzuchtperlen kommt aus China.


Lesen Sie hier im Schmuck-Blog weiter..

Perlenträume aus 1001 Nacht
Wie rettet man Perlen?
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