Perlenträume aus 1001 Nacht
Mit Muscheln wechselnd ab und mit Korallen,
Da blieb von Weibern sie allein in meinem Herz,
Und alles Andere ward, was ich je sang, nur Scherz.
(Omar Ibn Abi Rabia)
Frühe islamische Mystiker hielten die Perle für die erste Schöpfung Gottes und ein unvergleichliches Geschenk an die Menschheit. Denn etwas so schönes konnte doch kein Mensch und kein Tier erschaffen haben. An Anschauungsmaterial fehlte es nicht, war doch der arabische Raum bis zum Aufkommen der gewerbsmäßigen Perlenzucht das Fundgebiet für die meisten Naturperlen guter Qualität.
Diese Legende erklärt vielleicht, weshalb in der arabischen Welt bisher ein so großes Misstrauen gegenüber Zuchtperlen existiert. Staaten wie Bahrein verhängten gar Importverbote für Perlenketten aus Zuchtperlen. Naturperlen hingegen haben im gesamten Orient eine herausragende Stellung eingenommen.
Perlen, so sagte man, entstünden aus Tautropfen, die mit reinem, klaren Mondlicht gefüllt in den Ozean fallen und eine Auster befruchten. Auch gibt es Legenden, Perlen seien die Tränen Evas, als sie nach der Vertreibung aus dem Paradies die Welt auf der Suche nach Adam durchstreifte. Die Überlieferung sagt, die beiden seien an verschiedenen Stellen der Welt ausgesetzt worden und wären jahrelang umhergewandert, um sich wiederzufinden. Schließlich trafen sie sich am Berg Arafat, dem selben Berg, von dem aus im Jahre 632 Mohammed seine Abschiedspredigt hielt.
Diese besondere Liebesgeschichte trug weiter dazu bei, dass bis zum heutigen Tage eine Perlenkette ein häufiges Geschenk an die Geliebte ist.
Der Prophet Mohammed beschrieb das Paradies und die höchste Glückseligkeit gleich in mehreren Suren des Korans in Bildern, in denen immer wieder Perlen auftauchen:
?Die Steine sind Perlen und Edelsteine, die Früchte, die von den Bäumen hängen, sind Perlen und Korallen.Und jeder, der eingelassen wird in die Freuden des himmlichen Königreiches, erhält ein Zelt aus Perlen. Gekrönt wird er mit Perlen von unvergleichlichem Glanz.?
Jahrhundertelang wurde entlang der Küsten von Katar, Kuwait und Bahrein nach Perlen getaucht. Die Perlenfischer waren oft nur mit dem Nötigsten ausgestattet und riskierten auf den Dhau genannten schmalen traditionellen Holzbooten oft genug ihr Leben. Doch das Risiko lohnte sich. Der Fund einer besonders schönen Perle konnte dem Finder ein lebenslanges Auskommen sichern. Die Perlenfischerei war über Jahrhunderte hinweg eine der wichtigsten Einnahmequellen der Region, lange bevor die Jagd nach dem Öl die Wirtschaftslage erneut verschob.
In den Schatzkammern so manchen arabischen Emirates findet sich großartiger Perlenschmuck. So gibt es in Bahrein zum Beispiel ein kunstvolles Mushanifa-Collier aus Naturperlen mit sage und schreibe 37 (!) Reihen Perlenketten, die in sieben Streifen angeordnet sind. Eingefasst ist das Kunstwerk, das sich im Besitz von Sheikh Daij bin Salman al Khalifa befindet, mit Gold. Ein wahrer Perlentraum, bei dem man sich wahrlich in Märchen aus 1001 Nacht zurückversetzt glaubt.
Die größte Perlensammlung dürfte vermutlich Sheikh Hussein Alfardan aus Katar besitzen. Aber auch andere Sammler schätzen die Naturperle über alles. Neue Naturperlen werden allerdings kaum noch gefunden, und so erstreckt sich der Handel vor allem auf antike Stücke.
Glücklicherweise muss man aber heute kein Scheich oder dessen Lieblingsgattin sein, um sich mit einem Ohrschmuck aus Perlen oder einem Perlencollier zu schmücken. Mit Zuchtperlen können Sie sich einen Teil dieses Zaubers ins Haus holen ? und das auch, wenn vor Ihrem Haus keine Ölquellen sprudeln.
Weiter im Schmuck- und Perlen-Blog geht`s hier:
Wie rettet man Perlen?
Perlen der Weltgeschichte, Teil I.
Perlen der Weltgeschichte, Teil II.
Von Drachenperlen und Perlengräbern
Perlen aus Amerika
Perlen ? ganz technisch
Das Mahl der Kleopatra
Die Tränen des Himmels
Die Erotik der Perlenkette
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