Wie rettet man Perlen?
Aus alt mach neu...Perlen haben schon immer die Fantasie angeregt und galten als Schmuck der Könige. Schon seit frühesten Zeiten wurden sie in Gold gefasst, auf Ketten gezogen und zu wertvollen Schmuckstücken verarbeitet. Ihr unvergleichlicher Lüster und dezenter Orient ließen so manchen Perlenschmuck schon vor Jahrhunderten zur Legende werden. Eine Kette oder Ohrschmuck aus echten Perlen kennzeichnete den Träger oder die Trägerin als bedeutend.
Wer eine edle Perlenkette sein Eigen nennt, weiß aus eigener Erfahrung, dass das gute Stück bei unvorsichtiger Lagerung schnell ein wenig matt wirken kann. Legt man den Perlenschmuck in die Schmuckschatulle, können Ketten oder Broschen ihm schnell unansehnliche Kratzer zufügen. Perlen sind ein Naturprodukt und als solches ziemlich empfindlich. Noch viel extremer ist die Situation aber, wenn Perlen jahrhundertelang in schlecht gelüfteten Schatzkammern oder gar auf dem Grund des Meeres liegen. Ihr Farbton ändert sich häufig. Oft verfärben sie sich, bekommen Flecken und Risse. In ägyptischen Grabkammern fand man Perlenschmuck, der bei Berührung zu Staub zerfiel.
Schuld daran sind chemische Prozesse. Perlen bestehen zu einem großen Teil aus Aragonit. Dieses wird im Laufe der Jahre zu Calcit abgebaut. Auch das Conchyn, der Stoff, der der Perle ihren Zusammenhalt verleiht, wird über die Jahre abgebaut. Auch deshalb enthalten viele antike Schmuckstücke heute Zuchtperlen, die an Stelle der ursprünglichen Naturperlen eingesetzt wurden.
Seit dieses Problem bekannt wurde, hat man versucht,es zu bekämpfen. Bereits im 4. Jahrhundert kennt ein Papyrus aus Alexandria zehn verschiedene Methoden, die das Aussehen von Perlen verbessern sollten. Auch in Indien und China beschäftigten sich Gelehrte mit dem Problem. Die Lösungen waren teils abenteuerlich. So buk man die Perlen in ein Brot ein oder rieb sie mit gekochtem Reis ab. Beliebt war auch die Methode, die Perle dem Federvieh zum Fraß vorzuwerfen ? und darauf zu hoffen, dass deren Verdauung den Glanz wieder herstellt.
Auch im Europa des Mittelalters und der frühen Neuzeit wurden solche Methoden geübt. Findige Juweliere entwickelten nach und nach aber auch raffiniertere Methoden. Ein Handbuch empfahl, Perlenketten in Salzwasser zu lagern ? in der Praxis dürfte diese Hilfestellung mehr geschadet als genützt haben. Man rieb die Perlen mit Olivenöl oder Weißwein ab. Während letzteres in der Tat den Glanz wieder verstärkte, griff es gleichzeitig die äußeren Perlmuttschichten der Perle an.
Im 19. Jahrhundert erlebten die ?Perlendoktoren? einen unglaublichen Boom. Perlen wurden in Alkohol oder Äther eingelegt und mit großer Hitze getrocknet. So manche Perlenkette aus dem Mittelalter konnte so gerettet werden. Wasserstoffperoxid machte Perlen wieder weiß, nahm ihnen allerdings auch einen Teil ihres Lüsters. Durch Einlegen in heißem Walrat, einer öligen Substanz aus dem Kopf von Pottwalen, wurden Risse und Veräderungen geglättet.
Während kurzzeitig manche dieser Wege Erfolg versprachen, verlängerten sie die Lebensdauer der betreffenden Perlen kaum. Entweder sie nahmen der Perle Lüster, oder sie griffen ihre Oberfläche an.Nicht immer konnte man durch Polieren die Optik wieder herstellen.
Eine sehr effektive Methode kostet leider wertvolle Perlsubstanz. Zudem gibt es leider nur wenige Experten, die diese uralte Technik beherrschen. Ist eine Perle mit ausreichend dicker Perlmuttschicht an der Außenseite beschädigt oder verfärbt, so kann man sie quasi abschälen. Dabei wird die äußerste Perlenschicht vorsichtig abgetragen, ohne die darunter liegenden Schichten zu verletzen. Das Ergebnis ist häufig eine wieder sehr klar strahlende Perle.
Lesen Sie hier weiter in unserem Schmuck-Blog ..
Der Baroda-Perlenteppich
Perlen der Weltgeschichte, Teil I.
Perlen der Weltgeschichte, Teil II.
Perlenträume aus 1001 Nacht
Perlen im 20. Jahrhundert
Im Reich der schwarzen Perle
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